Im Herbst waren viele Großfirmen auf diversen Plattformen vertreten und sind jetzt auf der Suche nach Wegen, um Personal aus dem Ausland anzulocken. Ja auch jeder kleine Handwerksbetrieb könnte zurzeit einiges an Personal gebrauchen – wenn er nur geeignetes finden würde. Derzeit sind die Pflegeberufe, Polizisten und Lehrer in allen Medien – Sie suchen dringend Personal bzw. neue Mitarbeiter.

Man muss kein Wirtschaftsexperte, Politiker oder Forscher des gesellschaftlichen Wandels oder der Bildung sein, um die Priorität für Unternehmen zu erkennen. Wer kein gutes Personal einstellen und binden kann, der wird kurz- oder mittelfristig keinen Erfolg haben.

Aber ist der Fachkräftemangel vielleicht ein Zeichen für verschlafenen politischen und gesellschaftlichen Weitblick?

Als ich 2012 begonnen habe, mich mit der Beschäftigung der Jugendlichen in Vorarlberg auseinander zu setzen, waren diese Themen bei den zuständigen „Ämtern“ noch kein Thema. Auch den Hinweis auf die Demographie in Vorarlberg und die anstehende Digitalisierungsveränderung in der Gesellschaft wurde, zumindest vor mir, als nicht wichtig betrachtet.

Ich habe schnell einmal begriffen, dass ich die Kommunikationsart ändern muss. Deshalb habe ich dazumal das Heft selbst in die Hand genommen und eine Kommunikationsplattform für Jugendliche erschaffen, welches sich ganzheitlich von der Verknüpfung bis hin zur Verbindung orientieren sollte. Vom Bewerben weg bis hin zur Mitarbeiterbindung im Unternehmen.

 

Die Unternehmen werden Bewerber; das Talent wird umworben.

 

Als ich Ende der 80iger (im letzten Jahrtausend) meinen Berufsweg die Lehre als Schlosser begonnen habe, waren die Wünsche und Freiheiten des Arbeitnehmers „eher vernachlässigbar“. Arbeit wurde als Notwendigkeit verstanden und man durfte als Arbeitnehmer froh sein, eine gute Lehrstelle zu bekommen. Eine Verbindung zwischen Arbeit und Freiheiten hatte der Arbeitgeber in der Art nicht vorgesehen.

Durch die Demographie hat sich das aber grundsätzlich verändert. Es geht dahin, dass sich das Unternehmen so einiges einfallen lassen muss, damit Sie überhaupt noch Bewerber bekommen.

 

Die Bewerbungspolitik hat sich so verändert, dass die zukünftigen Fachkräfte sich nicht mehr unbedingt um jede Lehrstelle bewerben muss. Die Unternehmer sind jetzt die Bewerber beim Talent.

Das haben die Unternehmen und diverse Wirtschaftsvereinigungen schon begriffen. Es arbeiten jetzt die HR mit der PR eng zusammen und lassen sich neben Werbetricks, Internetauftritte und Videobotschaften noch so einiges einfallen. Jobmessen, Lehrlingsmessen, Schulbesuche ja sogar „Seilbahn-Höhenflüge“ sind als Projekt im Jahresprogramm schon eingeplant und budgetiert. Sie werben bei guten Leistungen mit „Goodies“ wie Prämien und Führerscheinen.

Unternehmen legen sich in Zeug und inszenieren immer größere werdende Jobaussichten, Gehaltssprünge, Karrieremöglichkeiten, …

Wer aber mit den Jugendlichen von heute spricht sieht ein anderes Bild. Diese finden zwar die „Goodies“ gut, sind aber nicht zwingend die ausschlagegebenden Entscheidungsfaktoren.

Eine erfolgreiche „Talente-Schmiede“ ist aber meiner Überzeugung nach, eine Frage der Unternehmenskultur und keine einmalige „Lehrlingssuche“- Projektaufgabe. Zu den „Goodies“ gehören seitens des Unternehmens auch Transparenz, Authentizität und Glaubwürdigkeit. Ebenso wünscht sich das Talent eine gewisse Wertschätzung im Unternehmen. Man will wahrgenommen werden.

Diese Attribute kann man ich einfach einmal aufschreiben und erwarten, dass der Bewerber diese glaubt. Diese Attribute werden kommuniziert in dem man sie lebt und diese sichtbar gemacht werden – und nicht, weil man sie propagiert. Die Unternehmen reden von den wichtigen Softskills, aber kaum ein Unternehmen lebt danach.

 

„Talente leben gerne unter Talente“

 

Einer der erfolgreichsten Wege zu neuen Talenten zu kommen, wird der Weg sein, das Unternehmen über die vorhandenen Talente zu bewerben. Aber Achtung: Menschen mit der „Vorgabe“ als Botschafter auf Jobmessen und in Schulen auszusenden wird längerfristig nicht funktionieren. Die Talente haben ein ganz feines Gespür dafür, welche Informationen inszeniert sind und welche Werbebotschaften „kommuniziert werden dürfen“. Man spürt an den vorhandenen Talenten, wie begeistert (oder auch nicht) diese dann von bzw. für das Unternehmen „werben“.

Talente leben und arbeiten gerne mit Talenten. Sie tauschen sich gerne aus und identifizieren sich gerne als Teammitglied. Dies funktioniert aber nur, wenn in der Firma die Unternehmenskultur auch so gelebt wird und das HR auch wirklich funktioniert dh. von den Talenten wahrgenommen wird. Und das geht nun einmal nur von der Unternehmensleitung aus. Das muss sich jeder Unternehmer bewusst sein bzw. anfangen darüber nachzudenken.

Gutes, motiviertes und begeistertes Personal ist der Wettbewerbsfaktor Nummer 1. Die Personalsuche, aber auch Personalbindung ist keine Aufgabe, sondern eine Kulturfrage im Unternehmen.

Wir von ländlelehre.at verknüpfen und verbinden die Jugendlichen mit den Unternehmen. Vom Bewerben weg möchten wir mit den 4-Modulen im Zertifikatsprogramm den Jugendlichen und das Unternehmen gemeinsam und kontinuierlich bis zur Lehrabschlussprüfung begleiten. Uns ist wichtig, dass wir gemeinsam aufzeigen, welche berufliche, aber auch persönliche Entwicklung es für jedes einzelne Talent geben kann. Dazu werden wir die Persönlichkeitsentwicklung mit www.lehre-im-fokus.at ein neues Label geben. Wir wollen dem ganzen noch mehr Bedeutung beimessen.

Informieren sie sich gleich jetzt unter office@laendlelehre.at